web2.0_oder: was mach ich hier eigtl

Hauptaspekt des web2.0: Benutzer erstellen und bearbeiten Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selbst. Maßgebliche Inhalte werden nicht mehr nur zentralisiert von großen Medienunternehmen erstellt und über das Internet verbreitet, sondern auch von einer Vielzahl von Individuen, die sich mit Hilfe sozialer Software zusätzlich untereinander vernetzen.

Folgende Stichworte umreißen die teilweise zu beobachtenden, teilweise nur vermuteten oder heraufbeschworenen Entwicklungsrichtungen:

  • Die Trennung von lokal verteilter und zentraler Datenhaltung schwindet: Auch Anwender ohne überdurchschnittliche technische Kenntnis oder Anwendungserfahrung benutzen Datenspeicher im Internet (z. B. für Fotos). Lokale Anwendungen greifen auf Anwendungen im Netz zu; Suchmaschinen greifen auf lokale Daten zu.
  • Durch Neuerungen beim Programmieren browsergestützter Applikationen kann jeder durchschnittlich befähigte Nutzer, selbst wenn er nicht programmieren kann, viel leichter als bisher aktiv an Informations- und Meinungsverbreitung teilnehmen.
O’Reilly und Battelle fassten Schlüsselprinzipien zur Charakterisierung von Anwendungen zusammen, die dem Begriff „Web 2.0“ zugeordnet werden können:

  • das Web als Plattform (anstatt des lokalen Rechners)
  • Daten-getriebene Anwendungen (Inhalte sind wichtiger als das Aussehen)
  • Die Vernetzung wird verstärkt durch eine „Architektur des Mitwirkens“. (Jeder kann mitmachen.)
  • Innovationen beim Aufbau von Systemen und Seiten, durch die Verwendung von Komponenten, welche von verschiedenen Entwicklern erstellt worden sind und beliebig miteinander kombiniert werden können (ähnlich dem Open-Source-Entwicklungsmodell)
  • einfache Geschäftsmodelle durch das verteilte, gemeinsame Nutzen von Inhalten und technischen Diensten
  • das Ende des klassischen Softwarelebenszyklus; die Projekte befinden sich immerwährend im Beta-Stadium
  • Die Software geht über die Fähigkeiten eines einzelnen Verwendungszwecks hinaus.
  • nicht nur auf die Vorhut der Web-Anwendungen abzielen, sondern auf die breite Masse der Anwendungen

400px-web20en.png

Man beachte den Zynismus und die Führung der Inhalte ad absurdum:

Jeder Benutzer bekommt das Recht, als einziger bestimmte vorgefertigte „persönliche“ Datensätze auszufüllen, oft als „persönliches Profil“ oder ähnlich bezeichnet. Dabei handelt es sich oft um einfache Formulare mit einigen Pflichtfeldern, in denen sich der Nutzer selbst kategorisieren muss. Meist ist die Selbstkategorisierung Pflicht, der Nutzer hat sich vorgefertigten Kategorien zuzuordnen, er hat sich nicht selten namentlich (Bürgerlicher Name, exaktes Geburtsdatum und Wohnort oder gar Personalausweisnummer) zu identifizieren und teilweise physisch (Alter, Geschlecht, Größe, Haarfarbe, …) zu beschreiben, damit seine Eignung beispielsweise als Sexualpartner bzw. als Abnehmer verschiedener kommerzieller Angebote abgeschätzt werden kann (Kaufkraft, Interessenlage und anderes laut statistischer Erfahrungswerte). D. h. zur Nutzung sehr vieler Angebote wird man nur zugelassen, wenn man bereit ist, sich in dieser Weise zu identifizieren und auf platte verwertbare Beschreibungen zu reduzieren.

Seiten können in meist sehr geringem Umfang und nahezu nur oberflächlich eigenen Vorlieben angepasst werden (Farbwahl, Hintergrundbild oder dergleichen). Als vermeintlichePersonalisierung“ in diesem Sinne gilt es schon, wenn der Nutzer aus einem unveränderlich vorgegebenen Satz von Themen diejenigen auswählt, zu denen er am ehesten Werbung auf der Web-Site zu sehen wünscht. Von gedruckter Massenwerbung kennt man schon lange ähnliches: beispielsweise stereotype Werbebriefe, in die der Bürgerliche Name des einzelnen Postempfängers von Maschinen vollautomatisch eingefügt wird.

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.